Aufbruch ins Paradies

markstand

Es hat ein bisschen länger gedauert, als wir erwartet haben. Aber jetzt haben wir unsere einsame Insel endlich gefunden. Sie liegt sehr abgeschieden in der Ha‘apei Group, mehr als 100 Kilometer von Tongas Hauptinsel Tongatapu entfernt. Ein breiter Sandstrand umzieht sie, an manchen Stellen ragen Felsen aus dem Wasser, unter den Bäumen in der Mitte findet sich saftige Erde. Das Wasser ist türkisblau. Wenn schon, dann das volle Klischee. Diese Insel ist genau, was wir gesucht haben – und mit etwa 800 Meter Länge und 200 Meter Breite ganz überschaubar.

Beim Dorfchef auf einer 40 Kilometer entfernten Insel habe ich mich bereits vorgestellt und um Erlaubnis gebeten, sein neuer Nachbar werden zu dürfen. Wer den Einheimischen Respekt entgegenbringt, dem stehen alle Türen offen. Mit Pulver der Pfefferpflanze Kava – das Südsee-Mitbringsel Nummer eins – und Rindfleisch in Dosen bin ich dort angekommen. Aus dem Pulver bereiten die Insulaner einen einschläfernden Drink, und rotes Fleisch ist rar und deshalb sehr beliebt.

gastfreundschaft

Die Fahrt mit einer kleinen, in die Jahre gekommenen Kirchenfähre war der Horror. Zwölf Stunden bei rauer See im Zickzackkurs durch das Archipel. Dafür war die Gastfreundschaft im Dorf alle Anstrengungen wert. Zum Frühstück Hummer mit Brotfrucht, zu Mittag Fisch, abends Hühnchen, alles aus dem Erdofen. Dazu Mango-Kokosnuss-Saft oder frisch zubereitete Zitronenlimonade. Die Familie, die mich für zwei Tage bei sich aufgenommen hat, besitzt wenig und gibt alles. Geschlafen wird aus Pandanussblättern geflochtenen Matten im Wohnzimmer, geduscht mit einem Eimer.

Da wir jetzt das Okay des nächsten Dorfchefs haben, brechen wir in Kürze auf die einsame Insel auf. Mit einem Fischer habe ich mit bereits alles aus nächster Nähe angeschaut und vereinbart, dass er für uns die ersten paar Monate Versorgungsfahrten macht – wodurch das Dorf ein wenig Einkommen hat und wir gut starten. Zunächst wollen wir allerdings eine direkte Bootsfahrt von Tongas Hauptinsel Tongatapu aus finden, aber das ist der offenbar am schwersten zu organisierende Punkt in unserer gesamten Planung. Optionen gibt es viele, genau wie Preisvorstellungen von Bootsmännern.

Nina und ich verbringen bereits Wochen damit, Leute am Hafen kennenzulernen, die uns irgendwie auf die Insel bringen könnten. Die wahrscheinlichste Variante ist momentan ein Segeltörn. Roy, ein 62-jähriger Engländer, will uns in seinem Trimaran innerhalb eines Tages bis ans Ziel bringen. Viele andere Segler mit Booten, die einigen Tiefgang haben, fürchten sich davor und insbesondere vor der Ha‘apei Group, weil die Riffe schwer zu überschauen sind.

insel

Der Trimaran hat einen entscheidenden Vorteil. Es passt jede Menge rein. Werkzeug für den Hüttenbau, Regentank, Gaskocher, Solarausrüstung, zwei große Plastikkisten mit Medizin und reichlich Antibiotika. Alles, was wir für einen Anfang brauchen. Vor allem genug Reserven an Essen und Trinkwasser. Das meiste haben wir schon beisammen, einiges müssen wir uns in den kleinen Märkten einzeln zusammenkaufen. Einen großen Supermarkt gibt es in ganz Tonga nicht.

medizin

Wir hatten zunächst etliche Inseln für unser Vorhaben zur Auswahl. Eine war uns dann doch etwas zu klein, allerdings wunderschön. Eine andere war uns zu nah dran an einer bewohnten Insel. Aber mit der jetzigen stimmt einfach alles. Die Wahl ist aus einem ganz besonderen Grund auf sie gefallen. Auf der in der gleichen Lagune etwa zwei Kilometer entfernten und auch einsamen Nachbarinsel steht ein Holzhaus, das wir im Einverständnis der Eigentümer als Stützpunkt nutzen können. Hier gibt es bereits einen Wassertank und auch gute Erde für einen Garten. Noch viel wichtiger: Das Haus bietet uns in der nun beginnenden Hurrikan-Saison ausreichend Schutz vor etwaigen Stürmen. Wir wollen eine gute Zeit auf der Insel haben, und keinen Survival-Trip, bei dem wir unnötiges Risiko eingehen. Die Besitzer verbinden mit uns den Vorteil, dass sie so jemanden dauerhaft vor Ort haben, der ein Auge auf das Haus hat.

bootsmann

An ruhigen Tagen werden wir dann in Kajaks von dieser Insel auf unsere Auserwählte paddeln, um dort mit dem Hüttenbau zu beginnen. Dafür wollen wir vor allem natürliches Material verwenden. Aus unserer Zeit auf einer einsamen Insel in Fidschi haben wir schon etwas Erfahrung, was den Umgang mit Palmenholz und dem Flechten von Palmblättern angeht. Und Axt, Säge, Hammer, große Nägel, Seile, Macheten haben wir schon gekauft.



9 Kommentare
Dein Kommentar
 

Michael:
Freitag, 21. Januar 2011, 08:11

Beneidens- und nachahmenswert. Ich wünsch euch alles Gute auf eurer neuen Insel :) Ich bin schon gespannt auf eure Berichte.

Daniel:
Freitag, 21. Januar 2011, 20:36

Hallo Adrian,
Freut mich das es euch gut geht, würde dir gerne zur Hand gehen beim Hütte bauen. Herbert und Ich haben für diesen Winter noch eine Tannennacht offen und Du bist natürlich herzlich eingeladen (-;
Werden es auf März legen da Karin und Herbert im Februar in Tasmanien sind.
Liebe Grüße aus Pfaffenweiler und immer ein volles Bier
Daniel

Herbert Straatman:
Samstag, 22. Januar 2011, 16:30

Hallo,

absolut traumhaft, wir sind neidsch.

Gruß

Herbert und Karin

Nicole & Sascha:
Samstag, 22. Januar 2011, 23:09

Hi Nina, hi Adrian! Wir wünschen Euch eine wunderschöne Zeit und passt gut auf Euch auf!!! Nicole & Sascha

matthias und thomas:
Montag, 24. Januar 2011, 20:48

Viel Spaß beim Hütte bauen, denk auch an die Gästezimmer. mail uns mal deine sat-tel.nr.
gruß aus dem eiskalten deutschland

Hildegard Lörcher:
Mittwoch, 26. Januar 2011, 12:00

Hi Nina, hi Adrian,

beneidenswert wunderschön, haben Freunde aus Tonga gefunden . Wir chatten in Facebook.

Alles Liebe passt auf euch auf +was macht Sunday?

Gruß
Doppelpack

Mathis:
Dienstag, 1. Februar 2011, 11:17

Meine besten Wünsche für das bevorstehende Insel-Abenteuer!
Viel Spaß :-)
Mathis

carsten friese:
Donnerstag, 3. Februar 2011, 09:53

Hi Adrian,

Australien hat gerade einen Monsterzyklon erlebt. Da Ihr ja nicht so weit weg seid? Alles klar mit eurer Insel??? Steht die Hütte noch (schon) und seid ihr okay?

Gib doch mal ein Zeichen

Gruß, Carsten (cf)

Andrea Schaufler:
Freitag, 4. Februar 2011, 11:49

Hat euch der Zyklon Yasi auch erwischt?
Geht es euch gut?

Grüße aus Eppingen ins Paradies

Andrea



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