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	<description>unser leben auf der einsamen insel</description>
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		<title>Abschied von der Inselwelt</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 05:24:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal sehen wir sie noch, die Buckelwale, wie sie außerhalb der Lagune aus dem Meer springen, senkrecht nach oben und dann mit einem kräftigen Platsch wieder abtauchen, oder wie sie  beim Atmen Fontänen sprühen. Aber ihre Zeit in den warmen Gewässern Tongas, die im Juni begonnen hat, ist nun vorüber. Sie werden zurück in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/10/zusammen.jpg" alt="zusammen" title="zusammen" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-368" />Manchmal sehen wir sie noch, die Buckelwale, wie sie außerhalb der Lagune aus dem Meer springen, senkrecht nach oben und dann mit einem kräftigen Platsch wieder abtauchen, oder wie sie  beim Atmen Fontänen sprühen. Aber ihre Zeit in den warmen Gewässern Tongas, die im Juni begonnen hat, ist nun vorüber. Sie werden zurück in die Antarktis ziehen, ihre Jungtiere haben in den vergangenen Monaten genügend Speckschicht ausgebildet.<span id="more-359"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch wir werden bald die Rückreise antreten, obwohl wir nicht zugelegt haben. Unser Jahr auf einer einsamen Insel im Südsee-Königreich Tonga ist zu Ende. Wir werden ein paar Wochen verlängern, haben wir beschlossen – und trotzdem: die Insel zu verlassen, wird uns schwer fallen. Wie bei unserem letzten Abschied aus Fidschi, wo wir bereits 2009 ein halbes Jahr auf einer einsamen Insel gelebt haben, hat dieser Schritt zwei Seiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es war von Anfang an ein Abenteuer auf Zeit, wenngleich wir jetzt, da die Zeit abläuft, mal wieder feststellen, dass sie viel zu schnell vorüberzieht. Warum wir andererseits zurück wollen in die Heimat und dieses surreale Lagunenparadies verlassen werden, ist die Vorfreude darauf, unsere Familie und Freunde wieder zu sehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/10/strandfeuer.jpg" alt="strandfeuer" title="strandfeuer" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-367" />Die letzten Wochen in der Einsamkeit verbringen wir damit, jeden Abend an den Strand zu gehen, den Sonnenuntergang anzuschauen &#8211; so wünscht es Nina &#8211; und danach ein Lagerfeuer zu machen. Vorzugsweise mit frisch gefangenem Fisch am Spieß.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/10/buschmesser.jpg" alt="buschmesser" title="buschmesser" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-362" />Wir haben daran gezweifelt, einmal jede Stelle der Insel erkunden zu können, aber mittlerweile kennen wir doch alles. Wir haben mit den Macheten so viele Wege geschlagen, was eine unglaublich harte Arbeit war, dass wir jederzeit sagen können, wo die nächste reife Brotfrucht vom Baum fallen wird und wo welche Bananenstauden wie reif sind. Passend dazu gibt es einen „Brotfruchtpfad“, einen „Bananenpfad“ &#8211; quer durchs Inselinnere -; einen Dschungelpfad, der beide zusammenführt; und einen Strandpfad, der außenherum um die gesamte Insel führt,  eine Strecke von mindestens zweieinhalb Kilometern. Wir bedauern es, dass nach unserer Zeit die ganzen Wege  in wenigen Monaten wieder überwuchert sein werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/10/eisvogel.jpg" alt="eisvogel" title="eisvogel" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-363" />Zu jedem Pfad gibt es sogar künstlerische Beschilderungen. Wir haben mit gelber Farbe auf Strandgut gemalt und die Hölzer an markanten Kreuzungen befestigt. Man könnte als Besucher fast meinen, wir führten eine kleine Inselhotelanlage. Dabei war die ganze Mühe nur für uns und selten vorbeikommende Segler. Sie hat sich aber dennoch gelohnt, weil wir täglich drei Mal um die Insel laufen und auch ständig im Dickicht nach Früchten suchen und kontrollieren, wie weit die Süßkartoffeln und das Taro schon gewachsen sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/10/kuerbisernte.jpg" alt="kuerbisernte" title="kuerbisernte" width="400" height="602" class="aligncenter size-full wp-image-364" />Überhaupt gedeiht der Garten prächtig, vor allem könnten wir jeden Tag Kürbissuppe machen. Kürbisse wachsen ohne Ende. Wir müssen dazu die  Blüten selbst bestäuben, weil wir keine Bienen haben, die uns das abnehmen würden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/10/seetrauben.jpg" alt="seetrauben" title="seetrauben" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-366" />Wir haben unsere Versorgung mit Lebensmitteln offenbar gut geplant und genug bis zum Schluss, wahrscheinlich weil wir so viel Gemüse im Garten ernten können und gerade besonders viele Papayas reifen. Auch an das Innere kleiner, bereits keimender Kokosnüsse, haben wir uns gewöhnt. Wir rösten die weiße, schwammige Kugel über offenem Feuer, und sie schmeckt in etwa so wie Zuckerwatte ohne Zucker.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es werden zum Schluss noch einige Angelhaken übrigbleiben, jede denkbare Größe, dazu Leinen unterschiedlicher Stärke, was ich alles zusammen an Tevita vermachen will, dem Fischer, der hier bei uns am öftesten vorbeikam. Noch immer sprechen wir nur das Nötigste, weil ich seine Sprache kaum beherrsche und Tevita nur wenig Englisch. Zum Glück funktioniert es mit ihm auch ohne Worte. Er bringt immer Fisch mit und wird sich über die Angelausrüstung freuen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/10/palmenpflanzen.jpg" alt="palmenpflanzen" title="palmenpflanzen" width="400" height="602" class="aligncenter size-full wp-image-365" />Noch ist nicht geklärt, mit welchem Boot wir zurück in die Zivilisation kehren. Wahrscheinlich lassen wir uns von Tevita mit auf seine Insel nehmen, um dort auf eine sporadisch fahrende Fähre umzusteigen. Neben unserer überschaubaren Menge an Hab und Gut werden wir unseren Dosenmüll dabei haben, klein gehämmert, und eine Kiste voll mit alten Batterien, die von Fischern leider achtlos weggeworfen wurden. Wir haben den Gedanken, dass wir der Insel für die tolle Zeit wenigstens ein bisschen was zurückgeben wollen, und wenn das möglich ist, dann am ehesten durch die Befreiung von Müll. Und wenn diesen Südseesommer der Zyklon ausbleibt, wachsen hoffentlich die vielen Kokosnüsse weiter, die wir nach der Zerstörung durch den Sturm gepflanzt hatten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/10/abschied.jpg" alt="abschied" title="abschied" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-361" />Tevita wird betrübt sein, wenn wir gehen. Und er wird sicher auch fragen, wann wir wieder kommen. Vielleicht wäre es leicht zu sagen: Ach, wahrscheinlich nächstes Jahr. Aber ich will lieber bei der Wahrheit bleiben: Ich weiß es nicht. Ausschließen werden wir es nicht, denn diese Inselsache, sie hat es uns angetan.</p>
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		<title>Auf der Suche nach den Petroglyphen</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 07:08:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[In einer Hafenbar in Tongas Hauptstadt Nuku&#8217;alofa hatte uns ein Segler vor fast einem Jahr im Scherz zugeflüstert: „Ihr seid doch sicherlich verrückte Schatzsucher, oder?“ Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass er später nahe dran an der Wahrheit liegt. Die Prophezeiung, denken wir heute an ihn zurück.
&#160;
Wir haben bloß noch keine Schatzkarte, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/petroglyphen3.jpg" alt="petroglyphen3" title="petroglyphen3" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-342" />In einer Hafenbar in Tongas Hauptstadt Nuku&#8217;alofa hatte uns ein Segler vor fast einem Jahr im Scherz zugeflüstert: „Ihr seid doch sicherlich verrückte Schatzsucher, oder?“ Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass er später nahe dran an der Wahrheit liegt. Die Prophezeiung, denken wir heute an ihn zurück.<span id="more-346"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir haben bloß noch keine Schatzkarte, die uns den Weg weist. Wir wissen allerdings mit ziemlicher Sicherheit, dass es auf unserer kleinen Insel etwas Bedeutendes zu finden gibt. Vermutlich kein Gold &#8211; aber wer kann das schon ausschließen? -, sondern einen historischen Schatz, der viel Aufschluss über die Geschichte der frühen Südseebewohner geben könnte. Unfassbar!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/uto2.jpg" alt="uto2" title="uto2" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-344" />Der Hinweis kam über das Gesuch nach einem Bootstransport in einem Tonga-Newsletter. Wir hatten inseriert, weil Freunde uns besuchen wollten. Der Besitzer eines kleinen Resorts auf der Hauptinsel Tongatapu entdeckte die Notiz und kontaktierte uns über die Emailadresse von Ninas Eltern, die gelegentlich auf unserem Satellitentelefon anrufen. Zusammen mit einem Archäologen sei er vor einiger Zeit für ein paar Tage auf unserer Insel gewesen, schrieb er &#8211; um nach Spuren aus weiter Vergangenheit zu suchen. Sie seien leider nicht fündig geworden. Aber vielleicht würden es ja wir, so seine Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/bananatrail.jpg" alt="bananatrail" title="bananatrail" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-339" />Was auf der Insel verborgen sein muss, sind in Stein geritzte Zeichen, sogenannte Petroglyphen. Dass sie da sein müssen, geht aus einer Überlieferung Anfang des vergangenen Jahrhunderts hervor. Zu dieser Zeit betrieben Einheimische eine Kopraplantage; der Grund dafür, warum so viele Kokosnusspalmen wachsen. Die Nüsse werden geröstet, zu Kokosraspeln und -öl verarbeitet und exportiert. Das Geschäft hat sich irgendwann nicht mehr rentiert, weil die Insel zu weit abgelegen ist, und so wurde sie wieder einsam.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/banane.jpg" alt="banane" title="banane" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-340" />Aber irgendwann zuvor hat jemand ungewöhnliche Zeichen in Felsen entdeckt. Etwa 30 Zentimeter große Symbole, darunter eine Sonne, Menschen, ein Auge, von dem drei Fingern abstehen, und einiges mehr. Die Angaben von damals sind nicht genau und auch nicht richtig dokumentiert. Der Archäologe hofft darauf, dass es vielleicht noch mehr zu finden gibt. Sehr ähnliche Zeichen hat man auch in Hawaii entdeckt. Welche Bedeutung haben solche Zeichen? Wie hängen sie zusammen? Wurden sie zur Navigation genutzt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jedenfalls sind wir bestens gelaunt, dass Menschen &#8211; offenbar schon vor 500 bis 1000 Jahren, so die wissenschaftliche Schätzung &#8211; bereits hier waren. Wir sind nur noch mit Spaten und Besen unterwegs, um Sand wegzuschaufeln und wegzukehren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/petroglyphen2.jpg" alt="petroglyphen2" title="petroglyphen2" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-341" />Es ist unklar, wo genau die Zeichen auf der Insel und wie gut sie noch zu erkennen sind, aber wahrscheinlich ist, dass sie in Felsen nahe am Strand geritzt wurden. Wir ärgern uns wahnsinnig, dass wir von den Zeichen nicht schon direkt nach dem Zyklon, der über uns Anfang des Jahres hinweggefegt ist, gewussten hatten. Danach waren alle Felsen freigespült, viel Sand der Strände wurde ins Meer verschoben. Mittlerweile sind die Steine wieder bedeckt, die Strände zurück.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Naheliegend wäre, dass die Steinzeichen irgendwo in der Nähe von Schriftzügen zu finden sind, die während der Koprazeit in Felsen hinterlassen wurden. Wir sind bereits auf einzelne Namen gestoßen. Wir vermuten, dass die Insulaner sich direkt neben den Petroglyphen verewigen wollten. Falls wir etwas Interessantes entdecken, sollen wir trockenen Sand darüber streichen, so die Bitte des Archäologen, und dann fotografieren. Vieles dürfte nur noch sehr schwach zu sehen sein, weshalb wir am besten bei aufgehender Sonne suchen, wenn das Licht seitlich fällt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nina und ich fragen uns so langsam selbst, ob wir es übertreiben. Denn begeistert von der Entdeckungslust stapfen wir auch jeden Winkel im Inselinnern ab. Wir sind dabei sogar tatsächlich auf unnatürliche Steinreihen, verdeckt von Erde, gestoßen. Wir hätten gerne, dass es sich dabei um Fundamente erster Siedlungen handelt, vermutlich sind es aber Überbleibsel aus der Koprazeit. Das nehmen wir deshalb an, weil wir auf der  Insel bislang auf drei für damals typische Grabmale gestoßen sind: senkrecht um große Bäume aufgestellte Steine.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/uto1.jpg" alt="uto1" title="uto1" width="400" height="602" class="aligncenter size-full wp-image-343" />Mittlerweile waren wir auch mit Dorfchef Tevita auf einer unserer ebenfalls unbewohnten Nachbarinseln, als er mal wieder auf einem Fischzug bei uns vorbeigeschaut hat. Auch da ärgern wir uns im Nachhinein: Hätten wir bereits von den Zeichen gewusst, hätten wir auch die Felsen der zwei Meilen von uns entfernten Nachbarinsel absuchen können. Das müssen wir jetzt eben bei nächster Gelegenheit nachholen. Wenn wir doch nur ein kleines Motorboot hätten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In der nächsten Kolumne geht es um den bevorstehenden Abschied von der Insel &#8211; ein Jahr in der Südsee geht schon dem Ende zu.</p>
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		<title>Segler mit Schokolade</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 10:51:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn wir nicht Fotos von diesem Ereignis gemacht hätten, würden wir nicht glauben, dass es stattgefunden hat. Eines schönen Tages taucht auf einmal dieser weiße Fleck am hintersten Eck des Horizonts auf – und obwohl noch so klein, ist er umrahmt vom Blau des Meeres und wolkenlosem Himmel kaum zu übersehen. Wir gehen aufgeregt das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/calamia5.jpg" alt="calamia5" title="calamia5" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-326" />Wenn wir nicht Fotos von diesem Ereignis gemacht hätten, würden wir nicht glauben, dass es stattgefunden hat. Eines schönen Tages taucht auf einmal dieser weiße Fleck am hintersten Eck des Horizonts auf – und obwohl noch so klein, ist er umrahmt vom Blau des Meeres und wolkenlosem Himmel kaum zu übersehen. Wir gehen aufgeregt das Fernrohr holen und unsere Vermutung wird schnell Gewissheit: Es ist das gespannte Segel eines Katamarans, der auf uns zukommt.<span id="more-332"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/calamia1.jpg" alt="calamia1" title="calamia1" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-322" />Eigentlich, dachten wir bislang, ist unsere Insel doch viel zu abgelegen für Segler, die gerne eine direkte Route zwischen Tongas Inselgruppen wählen. Außerdem ist dieser Abstecher den meisten zu riskant – in unserer Nähe gibt es einige unübersichtliche Riffe, wo die Wellen so brutal aneinander schlagen, dass sie aus drei Kilometern Entfernung wie brodelnde Kochtöpfe aussehen. Wagemut und Erfahrung sollte man mitbringen. Das vor Jahren gekenterte Segelschiff, das in Einzelteile verstreut als Wrack bei uns im Dschungel liegt, ist in dieser Gegend nicht das erste Opfer des launischen Ozeans geworden. Einige Inseln weiter südlich hat es erst vergangenes Jahr ein französisches Segelboot erwischt, dessen Besatzung sich mit letzter Kraft an Land retten konnte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/wrack.jpg" alt="wrack" title="wrack" width="400" height="602" class="aligncenter size-full wp-image-331" />Aber unsere Besucher kennen sich glücklicherweise bestens aus, wie wir wenig später erfahren. Eine Stunde dauert es, bis aus dem Punkt am Horizont ein mächtiger Katamaran geworden ist, der in unsere Lagune einbiegt. Die vier Segler, wie wir jetzt erkennen, steuern ihr Boot durch einen Eingang am Riff, den auch die Einheimischen immer nutzen, und setzen an einer ruhigen Stelle den Anker. Es ist ein wunderschönes Boot namens Calamia, das da nur wenige Meter vor uns aus dem seichten Wasser ragt, blitzblank poliert und in der Sonne glänzend. Nina und ich sind etwas nervös und gehen voller Vorfreude an den Strand, von wo aus wir unseren ersten Yachties zuwinken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/calamia3.jpg" alt="calamia3" title="calamia3" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-324" />Die Segler winken zurück, lassen sich aber Zeit, bis sie zum Landgang aufbrechen. Wir nutzen die Gelegenheit, um unsere im Garten frei laufenden Hühner zurück in ihr Gehege zu sperren und frische Eier aufzusammeln, um etwas anbieten zu können. Wir machen damit gerade Pfannkuchen, als die Besucher wie aus dem Nichts endlich vor uns stehen – sie sind in ihrem motorisierten Schlauchboot von uns unbemerkt an den Strand gedüst. Für Pfannkuchen lassen sie sich gleich begeistern. Andrew, Malcolm, Meredith und Mary heißen unsere Gäste, allesamt Australier. Sie segeln nun schon seit mehreren Jahren zusammen durch die Südsee, ein Jahr sind sie schon in Tonga und wollen auch noch zwei dranhängen, bevor es sie weiter auf die Solomonen zieht. Eine verrückte Gruppe an junggebliebenen Abenteurern, die uns aber für deutlich verrückter halten als sich selbst. Neugierig löchern sie uns mit Fragen über Details des Inseldaseins, über unsere Nahrung, Insellektüre, Gemüseanbau, den Zyklon und wie viel Medizin wir dabei haben. Zum Glück können wir auch die Fragen nach der Medizin zu ihrer Zufriedenheit beantworten, denn es sind immerhin zwei Ärzte und eine Krankenschwester, die vor uns sitzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/segler.jpg" alt="segler" title="segler" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-330" />Bevor wir überhaupt zum Luft holen kommen, ist es auch schon dunkel – und wir gestehen uns ein, wie sehr wir es genossen haben, mal wieder lange zu erzählen. Die Australier beschließen, über Nacht in der Lagune zu bleiben und sich am nächsten Tag von uns die Insel zeigen zu lassen. Zuerst allerdings wird uns die Yacht gezeigt. Andrew holt uns am Morgen bei Ebbe ab und wir staunen nicht schlecht, als wir die Calamia von Nahem sehen. Erstens haben wir noch nie ein solch gepflegtes Segelboot gesehen, zweitens ist es beeindruckend, wie groß  ein Katamaran von Innen sein kann. Mit leistungsstarken Solarmodulen werden alle technischen Gerätschaften an Bord betrieben, inklusive Kühlschrank. Die Segler haben sich um den kompletten Innenausbau selbst gekümmert, sechs Jahre harte Arbeit vor Beginn ihrer großen Reise. So macht auch der Name der Yacht einen Sinn: Calamia ist ein Wort aus der Sprache der Aborigini und bedeutet Leidenschaft.  </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/calamia2.jpg" alt="calamia3" title="calamia3" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-324" />Als wir die Yacht wieder verlassen, holen die beiden Frauen auf der Calamia ein Glas selbst gemachte Papayamarmelade und eine Tafel Schweizer Vollmilchschokolade aus ihrem Proviant hervor. Sie können sich gar nicht vorstellen, welche Freude sie uns damit machen – vor allem mit der Schokolade, die wir noch am gleichen Tag essen. Ein paar Stunden danach brechen wir mit den Seglern noch auf einen Schnorcheltrip außerhalb des Riffes auf, bei dem wir Korallen unterschiedlichster Arten und viele exotische Fische beobachten. So weit draußen schwimmen wir normalerweise nicht herum, wenn wir allein sind. Die Strömungen sind mitunter sehr stark.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/calamia4.jpg" alt="calamia4" title="calamia4" width="400" height="602" class="aligncenter size-full wp-image-325" />Am Nachmittag führen wir unsere interessierten Besucher stolz auf den von uns angelegten Pfaden durch das Inseldickicht. Malcolm, der daheim in Australien eine Bananenplantage besitzt (was für Zufälle es gibt), zeigt mir voller Begeisterung, wie ich den Ertrag steigern kann und welche Bananen ich am besten gleich umhacke, damit andere besser wachsen. Mit dem Fruchtmesser ernten wir unterwegs reife Papaya, bevor wir auf der anderen Seite der Insel neugierig untersuchen, was uns die jüngste Flut an den Strand gespült hat. Ein großes Bambusfloß mit einer undefinierbaren Kugel in der Mitte, durch deren Plastikgehäuse man nur ein paar winzige Solarmodule erkennen kann. Wir vermuten, dass es sich um ein Gerät handelt, mit dem die Entwicklung von Wellen und die Entstehung von Tsunamis erforscht werden soll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/09/makrele2.jpg" alt="makrele2" title="makrele2" width="400" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-329" />Nach all den Erkundungen schafft es Nina noch, unsere schnell lieb gewonnenen Besucher zum Abendessen an Land zu halten, bevor sie am nächsten Tag die nächsten Inseln ansteuern wollen. Wir machen Reis und frisches Gemüse aus dem Inselgarten, Andrew bringt selbst gefangenen Thunfisch von der Calamia mit. Drei Tage später hätte ich ihnen Makrele auftischen können, meinen bisher größten Fang auf der Insel, aber das ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Unter dem Südsee-Vollmond diskutieren wir bald die Nachrichten, die die Welt erschüttern – und wie wenig doch sowohl für sie auf ihrem Katamaran als auch für uns auf der einsamen Insel von Belang ist. Was Andrew gleich als Überleitung nutzt, um wichtige Dinge zu besprechen. Sie wollen in zwei Monaten erneut  vorbeikommen und etwas länger bleiben. Sie bringen auch wieder was mit, verspricht er: noch mehr Schokolade.</p>
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		<title>Speerfischer zu Besuch</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Aug 2011 09:11:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
“Da ist ein Mensch.“ Nina springt mir aufgeregt entgegen, als wir gerade an einem unserer Pfade frei räumen. Jetzt sehe ich es auch &#8211; unten, am Strand, da bewegt sich etwas. „Das darf nicht wahr sein, ich habe doch gar keine Hose dabei“, sage ich und wir entscheiden im selben Moment, den ins Inselinnere zurück [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-301" title="locals" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/07/locals.jpg" alt="locals" width="400" height="266" /><br />
“Da ist ein Mensch.“ Nina springt mir aufgeregt entgegen, als wir gerade an einem unserer Pfade frei räumen. Jetzt sehe ich es auch &#8211; unten, am Strand, da bewegt sich etwas. „Das darf nicht wahr sein, ich habe doch gar keine Hose dabei“, sage ich und wir entscheiden im selben Moment, den ins Inselinnere zurück versetzten Weg als Rennstrecke zur Hütte zu nehmen, wo die nassen Klamotten auf der Wäscheleine hängen. <span id="more-304"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als wir unseren Besuch empfangen wollen, fehlt uns die Sprache. Die Wellen der kommenden Flut schlagen einen Stamm auf den Sand, dessen Wurzel senkrecht in die Höhe steht und von der Ferne aussieht wie ein langsam schreitender Mensch. Es ist amtlich: Wir sind paranoid geworden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-297" title="brotfrucht" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/07/brotfrucht.jpg" alt="brotfrucht" width="400" height="266" />Das  Problem ist, dass wir auf der Insel viele Geräusche vernehmen, die von außen kommen könnten. Wir denken da gerne an einen Bootsmotor, doch meistens sind es Wellen am Riff, die sehr unterschiedlich brechen und grollen. Die einheimischen Fischer sind es aus ihren kleinen, abgelegenen Dörfern gewohnt, dass sie sich bei ihrem Nachbarn auf der nächsten Insel oder auch nur ein Stück weiter am eigenen Strand grundsätzlich lautstark bemerkbar machen. So wahren sie Privatsphäre. Sind sie zu Fuß unterwegs, klatschen sie so lange in die Hände, bis jemand auf sie reagiert. Sind sie auf dem Boot, fahren sie höflich langsam und gut zu sehen am Strand entlang, bis sie von Inselbewohnern wahrgenommen werden. So auch in unserem Fall &#8211; es trug sich nämlich tatsächlich zu, dass wir echten Besuch bekommen haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-302" title="papaya" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/07/papaya.jpg" alt="papaya" width="400" height="602" />Es ereignet sich an einem sonnigen Nachmittag, als ein kleines, voll besetztes Boot in die Lagune steuert und nach mehrmaliger Fahrt am Strand hin und her in der Nähe unserer Hütte anlegt. Begeistert, dass endlich mal jemand vorbeikommt, laufe ich hin, um die Männer zu begrüßen. Sie lassen sich zu Saft, Kaffee und Keksen überreden &#8211; und reife Papaya und Bananen können wir ihnen glücklicherweise auch anbieten. Während einer von ihnen am Anlegeplatz bleibt und einen Erdofen vorbereitet, folgen mir die anderen und werfen sich nach einem anstrengenden Fischzug um unseren Feuerplatz vor der Hütte zu Boden. Einer zieht sich einen Stein als Kopfkissen heran &#8211; das Kissen, das wir ihm anbieten, lehnt er ab, ist ihm zu weich.</p>
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<p><img class="aligncenter size-full wp-image-299" title="lobster1" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/07/lobster1.jpg" alt="lobster1" width="400" height="266" />Die Männer können ein bisschen Englisch und wir plaudern ein wenig über Tonga, das Fischen und wie sie ihren Fang anschließend weiterverkaufen. Sie lagern ihn auf ihrer Insel auf Eisblöcken zwischen, die alle zwei Wochen von einer kleinen Fähre gebracht werden und die den Fang auch abholt, um ihn auf den Markt in der von ihnen 150 Kilometer entfernten Hauptinsel zu bringen. Als ich ihnen erzähle, dass ich auch gerne mal am Strand fischen bin, fragt einer: „You want fish?“ Damit ich zur Abwechslung mal einen Großen kriege, amüsieren sie sich und schleppen einen fast zehn Kilo schweren Riesenzackenbarsch an. Für das Foto, das die Szene dokumentiert, sind sie gleich zu haben. Bitte zeige es all deinen Freunden, sagen sie.</p>
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<p><img class="aligncenter size-full wp-image-296" title="banane" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/07/banane.jpg" alt="banane" width="400" height="266" />Einer der Fischer hat ein Handy dabei, das er mit Batterien lädt, und spielt stolz Musik aus Tonga ab. Schlagartig wird uns klar, warum wir auf der Insel öfter alte Batterien auf dem Boden finden. Es gibt in Tonga kein Gefühl für eine Müllproblematik. Immer wieder stoßen wir auch auf leere Rindfleischdosen oder Bierflaschen &#8211; zurückgelassen von Fischern, die sich hier länger aufhielten. Was nicht mehr zu gebrauchen ist, wird weggeworfen. Auf einer Fährfahrt zu Beginn unserer Zeit in Tonga habe ich mit ansehen müssen, wie eine Öltonne ins Meer geworfen wurde. Ich dachte, die wollen sich einen netten Sitzplatz einrichten &#8211; und schwupp, war das Fass im Wasser. Nina und ich schieben das auf mangelnde Aufklärung, verstehen können wir manches trotz viel Verständnis, das wir uns abverlangen, aber nicht.</p>
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<p><img class="aligncenter size-full wp-image-303" title="yams" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/07/yams.jpg" alt="yams" width="400" height="266" />Im Paradies ist nicht alles paradiesisch. Die Fischer sind verwundert, warum wir das Leben auf einer einsamen Insel annehmlich finden. Sie wollten doch alle weg, sagt einer der beiden Jugendlichen unter ihnen. Keine Jobs gibt es, somit keine oder nur geringe Einnahmen. Die meisten jungen Menschen zieht es auf die Hauptinsel, wo man im Tourismus etwas finden kann. Und auch dort werden viele nicht glücklich. Manche versuchen, nach Neuseeland, Australien oder in die USA auszuwandern. Das endet in manchen Fällen erneut mit Unzufriedenheit, weil das neue System zwar mehr Vermögen bietet, aber das Leben zum Dasein auf einer abgelegenen Insel so unterschiedlich ist, dass es ihnen sehr schwer fällt, sich einzugliedern. Im schlimmsten Fall führt der vermeintliche Weg in finanzielle Absicherung in Kleinkriminalität und zu Alkoholismus.</p>
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<p>Auf den Inseln gibt es schlichtweg keinen Alkohol, außer vielleicht Selbstgebrautes. Viele kleine Läden dürfen schon gar keinen Alkohol verkaufen, weil die Vergangenheit gezeigt hat, was das nach sich ziehen kann. Auch die Fischer fragen recht schnell, ob wir denn Alkohol da haben. Palangi, also Weiße, haben ja schließlich öfter Bier- oder Schnapsvorräte. „Ist uns ausgegangen, weil die Fähre die letzten Monate nicht mehr gefahren ist“, antworte ich auf diese Frage &#8211; was sogar die Wahrheit ist. Trotzdem hatten Nina und ich schon vorher besprochen: falls Besuch, kein Alkoholkonsum. Das mag hart klingen, weil man sich die Problematik in Deutschland nicht so recht vorstellen kann, wenn man sie nicht kennt. Doch diesen Ratschlag haben uns vor der Inselzeit einige erfahrene Auswanderer in Tonga und auch schon während unseres Inseljahres in Fidschi mit auf den Weg gegeben.</p>
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<p><img class="aligncenter size-full wp-image-298" title="kokosnuss" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/07/kokosnuss.jpg" alt="kokosnuss" width="400" height="266" />Alternativ schlage ich Trinkkokosnüsse vor, die ich mal eben in Sixpacks von drei Meter hohen Palmen pflücken kann, in solcher Fülle gibt es sie. Die Einheimischen ziehen das Zeug runter wie wir eine kalte Cola.</p>
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<p><img class="aligncenter size-full wp-image-300" title="lobster2" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/07/lobster2.jpg" alt="lobster2" width="400" height="266" />Bevor sie rüber zu ihrem Erdofen gehen, in dem der Räucherfisch und die Maniokwurzeln fast fertig sind, hat der Chef der Gruppe, der mir anfangs den Fisch überreicht hat, eine weitere nette Frage: „You like lobster?“ Er erzählt mir, dass sie in der Nacht zu einem erneuten Fischzug aufbrechen und am frühen Morgen zurückfahren wollen. Der Fang muss so bald wie möglich gekühlt werden. Um 6 Uhr am Morgen, als es hell wird, ruft mich einer der Fischer aus dem Schlaf. Im Halbdunkeln drückt er mir drei frisch gefangene Lobster in die Hand und verabschiedet sich mit den Worten eines gläubigen Christen: „God bless you.“</p>
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		<title>Mit Kompass durch das Inseldickicht</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jul 2011 09:03:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[
Die Orientierung auf der Insel ist so eine Sache. Immer wieder in den ersten Monaten bin ich auf dem Weg durch den Dschungel an der gleichen Stelle rausgekommen, wo ich Stunden zuvor mit einer Machete bewaffnet losgezogen war. Dann war viel Mühe umsonst &#8211; und meine Laune gesunken. Neuerdings, seit ich auf diesen Erkundungstouren einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/kleinepalme.jpg" alt="Adrian steht auf einer kleinen Palme am südwestlichen Strand der Insel." title="kleinepalme" class="aligncenter size-full wp-image-271" /></p>
<p>Die Orientierung auf der Insel ist so eine Sache. Immer wieder in den ersten Monaten bin ich auf dem Weg durch den Dschungel an der gleichen Stelle rausgekommen, wo ich Stunden zuvor mit einer Machete bewaffnet losgezogen war. Dann war viel Mühe umsonst &#8211; und meine Laune gesunken. Neuerdings, seit ich auf diesen Erkundungstouren einen Kompass mitnehme, klappt es besser. Endlich bekommen wir einen wirklichen Überblick über den doch eigentlich von der Fläche her überschaubar großen Ort (30 Hektar) an dem wir immerhin seit einem halben Jahr leben. Ein Rundgang in Worten.</p>
<p><span id="more-268"></span></p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/noni.jpg" alt="noni" title="Überall zu finden: Blüten und Früchte eines Noni-Baumes." class="aligncenter size-full wp-image-272" /></p>
<p>Hinter unserer kleinen Hütte startet der hart erarbeitete Pfad, der in Schlangenlinien durch das gesamte Inselinnere bis an die auf der Südostseite gelegenen Sandspitze verläuft. Er führt anfangs durch Dickicht ein bisschen hinauf &#8211; bergauf wäre übertrieben &#8211; zum höchsten Punkt, den wir erreichen können: bescheidene zehn Meter. Von dort gelangen wir zu einer Ansiedlung von Noni-Bäumen, die sich an einigen Stellen auf der Insel finden. Ungefähr jeden zweiten Tag treten wir barfuß in am Boden liegende, überreife Früchte. Die heilende Wirkung dieser Wunderpflanze, von der manche Menschen überzeugt sein mögen, hat sich uns leider noch nicht erschlossen. Das Zeug stinkt erbärmlich und ich würde es nicht unter Zwang essen.</p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/pandanus2.jpg" alt="Die Frucht eines Pandanus-Baumes erinnert entfernt an einen Fußball, leider ist sie dafür aber nicht sonderlich  gut zu verwenden." title="pandanus2" class="aligncenter size-full wp-image-278" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Nächste Station ist eine Lichtung, die früher von Fischern der benachbarten Inselketten als Pandanus-Plantage genutzt wurde. Noch heute wachsen hier viele der exotischen Bäume, deren Stämme eine Art mehrere Meter hohes Wurzelzelt bilden und sich wild verzweigt in den Boden bohren. </p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/pandanus1.jpg" alt="Adrian steht bei einem ungewöhnlichen Exemplar eines Pandanus-Baumes. Aus den dornigen Blättern fertigen Einheimische wertvolle Matten." title="pandanus1" class="aligncenter size-full wp-image-277" /></p>
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<p>Die dornigen Blätter verarbeiten die Frauen in den Dörfern in wochenlangem Aufwand zu Matten, die in der Kultur der Südseebewohner eine bedeutende Rolle spielen. Sie werden zu Hochzeiten und Beerdigungen, eigentlich zu den meisten förmlichen Anlässen, über die Kleidung gewickelt. Wir kennen zwar schon viele Details der Herstellung, trauen uns aber letztlich doch noch nicht zu, eine solche Matte selbst zu fertigen.</p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/palmfarn3.jpg" alt="Hinten in dieser Lichtung ist ein weiterer, etwa acht Meter hoher Palmfarn zu sehen." title="palmfarn3" class="aligncenter size-full wp-image-276" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Durch einen Wald von Kokosnusspalmen, von denen wir geschätzte 2000 auf der Insel haben, geht es weiter zu einem längeren Strandstück, an dem wir besonders gerne innehalten. Hier haben wir schon an einigen Nachmittagen junge Mantas und Teufelsrochen beim Schwimmen beobachten können. Sie scheinen das seichte Wasser zu mögen. Watet man ihnen entgegen, kommen sie neugierig nah heran. Die Tierwelt im Korallenriff ist faszinierend, aber ebenso auf der Insel. Gehen wir den Pfad weiter bis ans Ende, stoßen wir auf einen etwa 20 Meter hohen Baum, an dessen Äste ungefähr 100 Flughunde hängen. Offensichtlich ihr Basislager. Die zierlichen Tierchen, die einen voluminösen Pelz um ihren Hals tragen, sehen wir vor allem in den Abendstunden überall umherfliegen, vor allem in der Nähe von Papayas, deren Blüten sie netterweise bestäuben.</p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/palmenpflanzen.jpg" alt="Adrian hat es sich zur Gewohntheit gemacht, am Strand junge Palmen zu pflanzen." title="palmenpflanzen" class="aligncenter size-full wp-image-273" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vom „Flughunde-Baum“, wie wir ihn getauft haben, ist es nur noch ein paar Schritte zur Sandspitze, an der ich gerne fische und die wir in der Zwischenzeit, weil wir uns so oft hier aufhalten, mit einigen jungen Kokospalmen bepflanzt haben. Wir wollen der Natur ein bisschen nachhelfen. Als Zyklon-Geschädigte wissen wir außerdem, wie wichtig gutes Wurzelwerk an Stränden ist, damit bei einem Sturm nicht alles von den Wassermassen davon gespült wird. Auch das Riff erholt sich glücklicherweise: In Felspools, die bei Ebbe begehbar sind, bilden sich erste Korallen nach.</p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/pandanusplantage.jpg" alt="Das Gestrüpp, durch das Nina hier läuft, war früher eine Pandanus-Plantage." title="pandanusplantage" class="aligncenter size-full wp-image-279" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Etwa in der Mitte zwischen Südost- und Nordwestspitze der Insel, also auf dem Rückweg unseres täglichen Strandspaziergangs, findet sich eine weitere Sehenswürdigkeit. Von dort haben wir erneut einen Pfad geschlagen, dieser führt etwa 100 Meter ins Dickicht hinein. Bisher noch eine Sackgasse, die uns aber an das von uns vorläufige Ziel führt: einen etwa 15 Meter hohen, mehrfach verzweigten Palmfarn. Das Gewächs, das stark an das Zeitalter der Dinosaurier erinnert, hat einen ungewöhnlich dicken Stamm und viele  gefiederte Blätter. Unweit vom Stamm entfernt haben wir einige Ableger gefunden und sie gleich ausgegraben, um sie in der Nähe des Gemüsegartens zu pflanzen.</p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/taro1.jpg" alt="Nina steht zwischen Taro-Pflanzen mit meterhohen, riesigen Blättern. Die Wurzeln können nach mehrmaligem Kochen gegessen werden und die lustigen Blätter können zum Regenschirm oder auch als Auffangfläche zum Wassersammeln umfunktioniert werden." title="taro1" class="aligncenter size-full wp-image-280" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Letzter botanischer Stopp auf dem Weg zurück zur Hütte ist ein großes Taro-Feld, dass versteckt hinter Gestrüpp liegt. Die jungen Blattstiele kann man als Gemüse kochen, was wir auch schon probiert haben und was ganz gut zur Kokosnusscreme geschmeckt hat. Aber die Knollen, die mehrere Kilogramm wiegen können, die man theoretisch auch essen kann, haben wir ausgelassen. Sie enthalten schwer lösliche Calciumoxalat-Kristalle, weshalb das Kochwasser mehrmals gewechselt werden müsste. Die breiten Taro-Blätter kann man übrigens zu einem ganz natürlichen Regenschirm umfunktionieren. Allerdings bevorzugen wir es wie die meisten Menschen in Tonga, wenn der Regen direkt auf uns herabprasselt. Ich habe noch nirgends Leute gesehen, die so begeistert klatschnass werden. Manche reiben sich bei Platzregen sogar die Haare mit Shampoo ein und gehen dann so durch Tongas Hauptstadt spazieren.</p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/06/fussabdruck.jpg" alt="Ninas Fußspuren im Inselsand." title="fussabdruck" class="aligncenter size-full wp-image-270" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach langer, langer Einsamkeit auf der Insel würden wir uns mal wieder über Besuch freuen. Eines Tages wird es soweit sein, wir suchen fleißig am Horizont nach Booten.. Am liebsten auf dem letzten Stück unseres Rundgangs, wo wir an ganz seltenen Tagen die 1046 Meter hohe Vulkaninsel Kao als Silhouette in den Himmel ragen sehen, Tongas höchste Erhebung.</p>
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		<title>Sommerresidenz aus Palmwedeln</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jun 2011 06:07:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[Es liegt mal wieder eine Portion Arbeit vor uns, aber das Vorhaben lohnt sich. Dicke, drei Meter hohe Astgabeln habe ich bereits aus dem Busch herangeschleppt, und eine Ansammlung junger Kokosnusspalmen, wo ich später Palmwedel abschlagen werde, ist auch gefunden. Wir bauen uns eine Hütte am anderen Ende unserer Insel &#8211; nach Vorbild eines tongaischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/fischen1.jpg" alt="fischen1" title="fischen1" class="aligncenter size-full wp-image-255" />Es liegt mal wieder eine Portion Arbeit vor uns, aber das Vorhaben lohnt sich. Dicke, drei Meter hohe Astgabeln habe ich bereits aus dem Busch herangeschleppt, und eine Ansammlung junger Kokosnusspalmen, wo ich später Palmwedel abschlagen werde, ist auch gefunden. Wir bauen uns eine Hütte am anderen Ende unserer Insel &#8211; nach Vorbild eines tongaischen „Fale“. Eine Art Sommerresidenz. Das hatten wir schon monatelang vor, aber immer wieder vertagt.<span id="more-263"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/palmhuette2.jpg" alt="palmhuette2" title="palmhuette2" class="aligncenter size-full wp-image-262" />Mit einer schweren Metallstange stoßen wir zunächst Löcher in die sandige Erde, damit die hohen Astgabeln einen guten Stand haben und nicht vom ersten Wind umgeblasen werden. Obenauf kommen gerade gewachsene Querhölzer, die wir zusätzlich mit Winden von Schlingpflanzen festbinden. Zum Schluss wird alles mit ineinander verflochtenen Palmwedeln bedacht, damit wir vor Regen geschützt sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/palmhuette.jpg" alt="palmhuette" title="palmhuette" class="aligncenter size-full wp-image-261" />Das ganze Projekt, dessen Sinn sich nicht gleich jedem erschließen mag, hat für uns einen nützlichen Hintergrund: An dieser Stelle der Insel, an der breiten Sandspitze im Südosten, verbringen wir immer öfter Tage und Nächte. Es geht hier immer eine kühle Brise, und es ist definitiv der beste Platz zum Fischen. Da ich vorwiegend bei Dämmerung auf die Jagd gehe, bietet es sich an, die Fische gleich vor Ort auszunehmen und zu grillen. Meist ist es nämlich schon dunkel. Und mit der Taschenlampe den Kilometer zurück ans andere Ende, wo unser eigentliches Heim steht, ist uns fast schon &#8211; ein Luxusproblem &#8211; zu lästig.</p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/fischfang1.jpg" alt="fischfang1" title="fischfang1" class="aligncenter size-full wp-image-257" />Um einen geeigneten, beständigen Grill zu bauen, haben wir Backsteine und etwas Wellblech (was Einheimische statt Alufolie verwenden) an unseren Lieblingsstrand geschleppt, das Feuerholz decken wir mit einer Plane ab, die an den Ecken mit Steinen beschwert werden. Fertig!</p>
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<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/fischen2.jpg" alt="fischen2" title="fischen2" class="aligncenter size-full wp-image-256" />Hat man den besten Platz zum Fischen einmal gefunden, läuft es im wahrsten Sinne des Wortes wie am Schnürchen. Tief muss es sein und strömungsreich, und ein Fischfilet nach dem anderen hüpft mir auf den Wellblech-Grill. Bei kommender Flut ist der Fischzug in der Regel am erfolgreichsten. Auf dem nachmittäglichen Weg dorthin spaziere ich erst mal zehn Minuten durch unseren selbst frei geschlagenen Inselpfad und sammle Köder ein &#8211; kleine Einsiedlerkrebse. Alternativ dazu kann ich auch kleine, rote Gummifische verwenden, die durch ihre auffällige Farbe und Geglitzer unter Wasser Makrelen anlocken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/koeder.jpg" alt="koeder" title="koeder" class="aligncenter size-full wp-image-260" />In meinem „Fisch-Eimer“ findet sich alles, was ich brauche. Angelhaken in verschiedenen Größen, Leinen in verschiedener Dicke, Gewicht, spezielle Handspulen und auch Plastikflaschen, um die ich einfach Leine wickeln und sie dann auch als eine Art Angel verwenden kann. Einen Köder am Angelhaken werfe ich etwa zehn Meter weit in die Wellen, anschließend warte ich. Aber meist nicht sonderlich lange. Erst vibriert die Leine kurz, die ich über den Zeigefinger gespannt halte &#8211; das heißt, ein Fisch knabbert bereits &#8211; und kurz darauf folgt ein Ruck, der Fisch ist am Haken. Die meisten sind etwa ein bis zwei Kilo schwer, also ganz nette Portionen. Wenn ich auf Größere aus bin, muss ich erst die Leine wechseln, damit sie durch die Kraft des Fisches nicht gleich reißt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/angelleine.jpg" alt="angelleine" title="angelleine" class="aligncenter size-full wp-image-253" />Wenn uns Verwandte aus Deutschland hier auf der Insel über das Satellitentelefon anrufen, stellen sie gerne die Frage: Und, was gibt‘s Neues? Wir antworten stets mit dem Fang des Tages, Art und Größe &#8211; und jedes Mal wirken sie recht gelangweilt. Wahrscheinlich entwickelt man auf einer einsamen Insel einfach andere Vorstellungen davon, was einem wichtig ist und was nicht. Wie zart das Fischfilet am Abend ist und ob es jetzt ein sogenannter Straßenkehrer, ein Stupsnasen-Pompano oder doch wieder ein Snapper ist, das ist uns aus irgendwelchen Gründen wichtig geworden. Wir haben extra ein Fisch-Bestimmungsbuch aus Deutschland dabei, um immer Bescheid zu wissen. Zwischendurch fange ich auch etwas besonders Exotisches und wir müssen erstmal nachschlagen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/butt.jpg" alt="butt" title="butt" class="aligncenter size-full wp-image-254" />Was mich zum Thema Fischen nebenbei auch noch brennend interessieren würde: Wie kann ich Weißspitzen- und Schwarzspitzenriffhaie von meinen besten Ködern, Fischstückchen, fernhalten? Regelmäßig kommen nach wenigen Minuten schwarze Schatten herangeschnellt und zwingen mich dazu, die Leine wieder einzuholen &#8211; macht mich wahnsinnig. Dabei habe ich es eigentlich nur auf Makrelen abgesehen oder mit viel Glück auf einen Barrakuda, die sehr selten so nahe an den Strand kommen. Haie will ich nicht fischen. Nicht nur, weil das Fleisch nicht besonders gut schmecken soll. Nein, Aberglaube ist es. Wer einen Hai tötet, der wird irgendwann selbst von einem Hai getötet &#8211; so hieß es während unserer Zeit in Fidschi jedenfalls. In Tonga hat das noch keiner behauptet, nur fesselt mich diese grausame Vorstellung nach wie vor zu sehr. Vor allem, weil mir die Haie gelegentlich besonders nahe kommen, wenn ich im Wasser wate. Sie sind nicht gerade scheu auf ihrem abendlichen Jagdzug.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/fischfang2.jpg" alt="fischfang2" title="fischfang2" class="aligncenter size-full wp-image-258" />Zur Stelle, wo unser neues Palmdach entsteht, haben wir jetzt schon einmal vorsorglich für die ersten Sonnenuntergang-Partys eine Grillzange bereitgelegt. Außerdem natürlich Knoblauchzehen und einen Salzstreuer, soll ja nichts fehlen. Der Fisch wird dann auf Bananenblättern serviert, stilecht. Und glücklicherweise ist unser Vorrat an Rum so groß, dass wir uns dort gelegentlich sogar einen Cocktail dazu gönnen können &#8211; wie es sich auf einer Insel gehört meist Pina Colada mit selbst gemachter Kokosnusscreme. Danach, welch Überraschung, leuchten die Sterne am Südseehimmel doppelt so hell.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/fischfang3.jpg" alt="fischfang3" title="fischfang3" class="aligncenter size-full wp-image-259" /></p>
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		<title>Schweißtreibende Ernte im Südseegarten</title>
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		<pubDate>Fri, 20 May 2011 09:21:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Natur in der Südsee lässt sich nicht einschüchtern, es ist erstaunlich. Bäume und Pflanzen auf unserer Insel sind nach dem Zyklon, der unser Inselarchipel heimgesucht hat, über Nacht wiederauferstanden. Überall ragen grüne Triebe in die Höhe, viele Bananenstauden und Papayas tragen schon die nächsten Früchte. Nur das Gemüse im Garten braucht etwas länger &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-242" title="ernte3" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/ernte3.jpg" alt="ernte3" />Die Natur in der Südsee lässt sich nicht einschüchtern, es ist erstaunlich. Bäume und Pflanzen auf unserer Insel sind nach dem Zyklon, der unser Inselarchipel heimgesucht hat, über Nacht wiederauferstanden. Überall ragen grüne Triebe in die Höhe, viele Bananenstauden und Papayas tragen schon die nächsten Früchte. Nur das Gemüse im Garten braucht etwas länger &#8211; aber immerhin, Gurken, Tomaten und Chinakohl sind fast reif zur Ernte. Besonders freut uns, dass zu unserem Gartenglück bald auch Wassermelonen beitragen, mit denen wir nicht gerechnet hätten.<span id="more-248"></span></p>
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<p><img class="aligncenter size-full wp-image-245" title="nachschub1" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/nachschub1.jpg" alt="nachschub1" /><br />
Ein Überraschungsbesuch ist es, der sie uns beschert. Wir schrecken auf, als wir eines Tages in der Ferne ein Geräusch vernehmen, dass sich deutlich vom gewohnten Wellenrauschen unterscheidet. Der Motor eines Fischerbootes, das wir nur als kleinen Punkt draußen, außerhalb vom Riff erkennen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-246" title="nachschub2" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/nachschub2.jpg" alt="nachschub2" /></p>
<p>Dorfchef Tevita steht wenige Minuten später am Strand. Er drückt mir zwei dicke Snapper in die Hand, und jene riesige, wunderschöne Wassermelone. Wir gestikulieren erfolgreich und ich bedanke mich artig. Ich frage mich allerdings noch immer, wie Tevita es wohl geschafft hat, mit einer glühenden Kippe im Mund ins Meer zu springen, durch das tiefe Wasser zu waten, seinen Fang zu überreichen, wieder zurück zu schwimmen, und mit der gleichen glühenden Kippe im Mund den Motor zu starten und die Lagune zu verlassen. Die Melone zerlegen Nina und ich gleich nach dem Snapper-Menü mit der Machete und schlingen sie in großen Stücken herunter &#8211; die Samen kommen zum Trocknen in die Sonne. Sie werden noch prächtig wuchern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-240" title="ernte1" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/ernte1.jpg" alt="ernte1" /></p>
<p>Dem Garten gilt in dieser Phase des Inseldaseins unsere ganze Aufmerksamkeit. Es geht uns wie den Hobbits aus Herr der Ringe: Wir mögen es, Dinge wachsen zu sehen. Als besonders wichtig stellt sich ein Sonnenschutz für die Pflänzchen heraus. Sie sehen anfangs immer so mitgenommen aus, wenn sich die Mittagshitze an ihnen ausgelassen hat. Bis wir uns daran erinnern, wie die „locals“ (Einheimischen) dieses Problem beheben. Im Inseldschungel gehe ich auf Suche nach Astgabeln und Querästen, während Nina an Kokosnusspalmen die passenden Blätter auswählt, die später auf knapp halbe Meter hohe Gerüste gelegt werden und Schatten geben sollen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-241" title="ernte2" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/ernte2.jpg" alt="ernte2" /></p>
<p>Besonders ausgeklügelt ist an einem unsere Beete die dringend notwendige Wasserversorgung. Man glaubt es kaum, aber wir finden im unwirtlichen Dickicht eine kaputte Kühltruhe, die wir kurzerhand zur Wassertonne umfunktionieren. Einfach eine Plane darüber gespannt, und schon platscht der Regen hinein. Die Kühltruhe muss aus einem Segelboot stammen, denn wenige Meter weiter finden wir einen etwa 15 Meter hohen Mast. Vor zehn Jahren sollen Segler bei einem Sturm am Riff gekentert sein, haben wir herausgefunden. Mysteriöse Sache.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-243" title="giessen" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/giessen.jpg" alt="giessen" /></p>
<p>Fundstücke bei Inselrundgängen erleichtern uns insgesamt einiges. Da wären nicht nur zwei leere 160-Liter-Plastiktonnen, in denen wir nun auch Regenwasser sammeln. Es kommen zudem ständig neue Plastikflaschen hinzu, die es neben exotischen Kauri-Muscheln hin und wieder am Strand anspült. Wir halbieren sie und nutzen sie als kleine Pflanzbecher. Inzwischen haben wir rund 50 Tomaten- und Auberginensetzlinge, jeden Tag sind einige davon zum Auspflanzen bereit. Wir kamen als Anfänger daher, aber die Sache wird so langsam professionell.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-244" title="kauri" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/kauri.jpg" alt="kauri" /></p>
<p>Im Inselinnern stoßen wir zudem immer wieder auf neues Essbares. So zum Beispiel auf eine Reihe von Brotfruchtbäumen, an denen momentan auch einzelne reife Früchte hängen. Die Schwierigkeit besteht nur darin, sie zu ernten. Sie hängen zu hoch. Irgendwie müssen wir einen Weg finden und wenn wir Kokosnüsse nach ihnen werfen. Einfacher ist es mit den Yamswurzeln, die im Busch wachen. Die kartoffelähnlichen Knollen ergeben leckere Chips, wenn wir sie in dünne Scheiben geschnitten anbraten. Für die beste Entdeckung der vergangenen Wochen halten wir aber nach wie vor Bele, eine Art Südseespinat. Das wächst in mehreren Büschen an einer ganz versteckten Stelle. Leckere Ergänzung zu unserer Ernährung, deren Vielfalt  leider kurzzeitig gelitten hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-247" title="strandgut" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/05/strandgut.jpg" alt="strandgut" /></p>
<p>Mit ganzen vier Wochen Verspätung kam unsere erste große Lieferung an Nachschub auf der Insel an! Die Fähre hatte ein paar Startschwierigkeiten. Tonga Time. Mit der Zeit lernt man, sich nicht mehr über so etwas aufzuregen. Der Sohn von Dorfchef Tevita hat uns schließlich die Kartons gebracht, die wiederum mit der geflickten, kleinen Fähre auf seine Insel kamen. Ein Freund hatte uns in Tongas Hauptstadt in diversen Einkaufsmärkten all das zusammengekauft, was auf unserer Liste stand. Endlich wieder Milchpulver, was uns ausgegangen war, Mehl, Zucker, ein wenig Marmelade, Eier, Saftkonzentrat. Die Eier wollen wir in Zukunft aber nur noch richtig frisch bekommen &#8211; ein paar Hühner samt Hahn stehen auf der nächste Liste.</p>
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		<title>Der Tag, an dem der Zyklon kam</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 08:21:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Die Nachricht erreicht uns zwei Tage zuvor. Das Satellitentelefon klingelt, was äußerst selten vorkommt. Ein Freund, der für uns regelmäßig im Internet nach der Wettervorhersage in der Südsee schaut, ist dran. Er wolle uns nur informieren, dass gerade ein Tiefdruckgebiet über Samoa nach Tonga ziehe, noch im Stadium einer tropischen Depression. Und so solle es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/03/zyklon21.jpg" alt="Zyklon über Tonga" title="zyklon2" class="aligncenter size-full wp-image-213" /></p>
<p>Die Nachricht erreicht uns zwei Tage zuvor. Das Satellitentelefon klingelt, was äußerst selten vorkommt. Ein Freund, der für uns regelmäßig im Internet nach der Wettervorhersage in der Südsee schaut, ist dran. Er wolle uns nur informieren, dass gerade ein Tiefdruckgebiet über Samoa nach Tonga ziehe, noch im Stadium einer tropischen Depression. Und so solle es der Wettervorhersage nach auch bleiben. Wir haben keine Ahnung, dass sich dieser Sturm zu einem starken Zyklon entwickeln wird.</p>
<p><span id="more-227"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/03/zyklon11.jpg" alt="Zyklon über Tonga" title="zyklon1" class="aligncenter size-full wp-image-212" /></p>
<p>Da es die gesamte vergangene Woche knallheiß gewesen ist und das Wasser im Tank stetig abgenommen hat, hegen wir zu diesem Zeitpunkt fast ein wenig Vorfreude auf heftigen Regen. Ziemlich naiv, wie sich kurz später herausstellt. Die Natur demonstriert auf der einsamen Insel eine Gewalt, die wir hier im Südseeparadies nicht für möglich gehalten hätten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/03/zyklon41.jpg" alt="Zyklon über Tonga" title="zyklon4" class="aligncenter size-full wp-image-214" /></p>
<p>Bereits in der Nacht vor dem eigentlichen Sturm biegt der starke Wind Palmen zur Seite, als würde er Kokosnüsse wie Schleudersteine auf uns schießen wollen. Wir sind völlig eingeschüchtert von dieser höheren Macht und setzen keinen Fuß vor unser Holzhaus, um die Hängematte abzubinden, die zwischen zwei Palmen am Strand im Getöse gebeutelt wird. Große, grüne Palmwedel krachen alle paar Sekunden herab. Am Morgen ist das Schlimmste überstanden &#8211; denken wir.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/03/zyklon51.jpg" alt="Zyklon über Tonga" title="zyklon5" class="aligncenter size-full wp-image-215" /></p>
<p>Überraschung. Was wir bisher erlebt haben, war nur das Vorspiel. Dieser Zyklon schlägt erst tagsüber richtig zu. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Wetter auszusitzen und wir sind währenddessen heilfroh über die Entscheidung, erstmal keine eigene Hütte aus natürlichem Material gebaut zu haben. Wir wären weggeblasen worden. Aber auch so ist die Situation alles andere als ungefährlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/03/zyklon61.jpg" alt="Zyklon über Tonga" title="zyklon6" class="aligncenter size-full wp-image-216" /></p>
<p>Nicht nur, dass es bei einem Sturm dieser Stärke viel regnet und noch viel mehr windet. Das Problem besteht auch darin, dass der Meeresspiegel enorm ansteigt, das Auge des Zyklons saugt das Wasser an. Die Wellen sind deutlich höher als sonst. Innerhalb weniger Minuten spült es drei Palmen, die wir am oberen Ende des Strandes gepflanzt haben, komplett fort. Im Anschluss nähert sich eine Welle, die uns in wahre Angst versetzt. Sie kommt nicht etwa frontal, sondern von der rechten Seite &#8211; und ist über drei Meter hoch. Sie reißt ganze Kokospalmen mit sich, große Felsbrocken und Korallenblöcke. Das eigentlich Beunruhigende aber ist, dass sie große, alte Bäume vor unserer Bleibe unterspült und zum Stürzen bringt. Eine Wahnsinnskraft, die sie und folgende Wellen dieser Art haben. Sie überspülen unsere Insel teilweise bis15 Meter ins Inselinnere und zwingen uns zur Überlegung, was wir tun, wenn es noch schlimmer werden sollte. Wir bleiben verschont, der Zyklon ist nach drei Stunden endlich vorbei. Gott sei Dank!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/03/zyklon71.jpg" alt="Zyklon über Tonga" title="zyklon7" class="aligncenter size-full wp-image-217" /></p>
<p>Wir wagen uns wieder aus dem Haus und trauen bei einem ersten Inselrundgang unseren Augen kaum. An einigen Stellen hinterlässt dieses fiese Sturmmonster eine enorme Zerstörung. Brutal auch für die Tierwelt. Die gestürzten Bäume und Palmen töteten Hunderte Vögel und ihre Küken. Am Himmel fliegen viele überlebende Vögel aufgescheucht und mit viel Gekreische umher. Etliche verlorene Küken sitzen am Boden. Wir haben das Gefühl, irgendetwas tun zu müssen und versuchen die schwachen Küken in einem kurzfristig gebauten Gehege zu pflegen. Solange, bis sie fliegen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/03/zyklon91.jpg" alt="Zyklon über Tonga" title="zyklon9" class="aligncenter size-full wp-image-218" /></p>
<p>Eigentlich hätten wir in wenigen Wochen auch schon das erste Gemüse ernten können, Bohnen und Gurken. In wenigen Monaten die ersten Auberginen und Tomaten. Aber auch den Garten haben die Wellen platt gemacht. Und der Wind hat etliche Bananen und Papayas zerfleddert. Genauso zerstört sind unsere ersten Pfade, die wir durch die Insel geschlagen hatten &#8211; eine Arbeit von mehreren Wochen. Überall liegt dickes Geäst im Weg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/03/zyklon101.jpg" alt="Zyklon über Tonga" title="zyklon10" class="aligncenter size-full wp-image-219" /></p>
<p>Noch mal von vorne, das Ganze. In der Hoffnung, dass eine Wiederholung ausleibt. Die Natur erholt sich zum Glück sehr schnell. Und etwas Positives hat der Zyklon dann doch mit sich gebracht, auch wenn sich das verwunderlich anhört. Während teilweise manche Strandabschnitte ganz weggespült wurden, hat sich an anderen Abschnitten die Sandmenge verdoppelt. So dass wir auf der einen Seite jetzt über eine langgezogene Sandbank laufen können und auf der anderen Seite, wo sich alles verschoben hat, ein riesiger, natürlicher Felspool entstanden ist. Wenigstens ein schöner Ort, um sich nach den anstrengenden Aufräumarbeiten abzukühlen.</p>
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		<title>Solarparty am weißen Strand</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Mar 2011 09:21:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Raumstation ist direkt bei uns auf der Sandspitze gelandet. Sie leuchtet so grell, dass wir uns ohne Sonnenbrille nicht nähern können. Wenn das jemand sehen könnte, er würde sich wohl verwundert die Augen reiben. Eine Fata Morgana auf der Insel?
Jedenfalls hat das Ding nichts mit Paranoia zu tun, die infolge unserer monatelangen Einsamkeit bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-135" title="solarkocher" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/solarkocher.jpg" alt="solarkocher" />Die Raumstation ist direkt bei uns auf der Sandspitze gelandet. Sie leuchtet so grell, dass wir uns ohne Sonnenbrille nicht nähern können. Wenn das jemand sehen könnte, er würde sich wohl verwundert die Augen reiben. Eine Fata Morgana auf der Insel?<span id="more-163"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Jedenfalls hat das Ding nichts mit Paranoia zu tun, die infolge unserer monatelangen Einsamkeit bei uns durchaus auftreten mag. Die Raumstation ist tatsächlich echt &#8211; sie ist ein futuristisch anmutender Solarkocher. Ein nützliches Werkzeug, um ohne Verbrauch von Gas oder Brennholz warmes Essen zuzubereiten oder Wasser zum Trinken abzukochen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-137" title="solarkocheraufbau2" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/solarkocheraufbau2.jpg" alt="solarkocheraufbau2" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Kocher ist eines von zwei wichtigen Solargeräten, die wir auf der einsamen Insel nutzen. Gerade zieht der Duft von frisch gebackenem Brot zu mir herüber, Nina kontrolliert den aufgehenden Hefeteig im Topf auf dem Drahtgestell in der Mitte. Das Prinzip dieser grandiosen Erfindung, ursprünglich für Entwicklungshilfe konzipiert, ist im Grunde ganz einfach. Mehr als 20 kleine Aluminiumplatten, im Kreis formiert, bündeln die Sonnenenergie auf einer Fläche, wo es ziemlich zügig ziemlich heiß wird &#8211; ähnlich wie bei einer Lupe, mit der brutale Kinder gerne Ameisen grillen. Nach cirka einer Stunde ist ein 400-Gramm-Brot fertig. Ab und zu muss die Solarkonstruktion dem Sonnenstand nachgerichtet werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-136" title="solarkocheraufbau1" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/solarkocheraufbau1.jpg" alt="solarkocheraufbau1" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Das einzige Problem am Kocher, den wir bei der Firma Sun and Ice mit Sitz im bayerischen  Feichten bestellt haben, war für uns der Transport in die Südsee. Wir wussten, dieses Teil wollen wir haben. Und die überdimensionale Satellitenschüssel lässt sich zwar platzsparend verpacken, wiegt aber trotzdem 18 Kilo. Deshalb haben wir sie für 100 Euro Versandkosten als Paket auf den Schiffsweg geschickt &#8211; nach sechs Wochen war sie angekommen. Rechtzeitig zum Start auf die Insel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das zweite nützliche Solargerät ist unser Energiekoffer. Solarmodule und Batterien sind schwer und deshalb für eine Reise ans andere Ende der Welt fast ungeeignet. So kam es, dass wir entschieden haben, direkt in Tonga nach Möglichkeiten zu suchen. Ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben, wie sich später herausstellte. Wenn uns nicht ausgerechnet ein Solarexperte über den Weg gelaufen wäre, der für die deutschen Firmen Kirchner Solar Group und Sonnen Systeme der Beauftragte in Ozeanien ist und eine lange Vorgeschichte bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit hat, die Solarprojekte in der Südsee fördert.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-139" title="solarkoffer2" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/solarkoffer2.jpg" alt="solarkoffer2" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Ernst Eidt aus Schlitz im Herzen Deutschlands heißt der Mann, der in Tonga von allen Enesi genannt wird. Er installiert im Inselresort Fafa, eine halbe Stunde Bootsfahrt entfernt von Tongas Hauptinsel Tongatapu entfernt, gerade eine neue Solaranlage. „Guck mal, was ich da habe“, sagt er und läuft mit mir in die Solarschaltzentrale, wo er auf einen orangefarbenen Hartschalenkoffer zeigt. „Kannste haben.“ Plus faltbares Modul mit 55 Watt Spitzenleistung. Deutsche Wertarbeit eben, oder wie war das?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-138" title="solarkoffer1" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/solarkoffer1.jpg" alt="solarkoffer1" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit dem Koffer haben Nina und ich auf der einsamen Insel alles, was wir brauchen. Über einen Adapter können wir alle Geräte mit einer maximalen Eingangspannung von zwölf Volt anschließen. So kann ich den Laptop-Akku laden, um Zeitungskolumnen zu schreiben. Den Akku der Kamera, damit wir die Zeit hier ausreichenden dokumentieren können. Den Akku des Satellitentelefons, mit dem wir im Notfall Kontakt zur Außenwelt aufnehmen können &#8211; sehr entscheidend. Einfach nur das Panel bei Sonne an die Batterie, also den Koffer, anschließen, Plus und Minus sind idiotensicher gekennzeichnet. Eine Ladeanzeige informiert darüber, wie viel Energie noch übrig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nicht zu unterschätzen: Wir können sogar einen CD-Player nutzen, den wir wiederum mit einem Mini-Bassburger verbinden. Ein umherhüpfender Lautsprecher, der in der Abendsonne am Strand für mächtig Partystimmung sorgt. Neuseeländischer Reggae hat es uns neuerdings angetan, der passt so gut auf die Insel. Für gute Zeiten.</p>
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		<title>Erst Arbeit, dann Hängematte</title>
		<link>http://www.crazycastaways.com/2011/02/erst-arbeit-dann-hangematte/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Feb 2011 12:04:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adrian</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sind da. Die Kokosnusspalmen ragen vor uns in den Himmel, werfen ihre Schatten auf den Strand und sind nicht mehr so unnahbar zur grünen Masse verschwommen wie aus der Ferne. Raus aus dem Boot, barfuß in den Sand. Columbus-Feeling. Am liebsten wäre ich auf die Knie gesunken und hätte eine Flagge gehisst. Hatte nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-119" title="inselpfad2" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/inselpfad2.jpg" alt="inselpfad2" />Wir sind da. Die Kokosnusspalmen ragen vor uns in den Himmel, werfen ihre Schatten auf den Strand und sind nicht mehr so unnahbar zur grünen Masse verschwommen wie aus der Ferne. Raus aus dem Boot, barfuß in den Sand. Columbus-Feeling. Am liebsten wäre ich auf die Knie gesunken und hätte eine Flagge gehisst. Hatte nur keine dabei. Das ist unsere Insel! Mit Besitzansprüchen sind wir schnell &#8211; bei diesem Anblick. Wie viele Monate haben wir warten müssen, um wieder in einer entlegenen Lagune zu sein.<span id="more-141"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-117" title="inselpfad1" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/inselpfad11.jpg" alt="inselpfad1" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Noch mal kurz zusammengefasst: Die Insel liegt mehr als 110 Kilometer entfernt von Tongas Hauptinsel, 40 Kilometer von der nächsten bewohnten. Und drum herum, eingepackt in wunderschöne Korallenriffe, finden sich ein paar weitere unbewohnte Inseln. Genau was wir wollten und wofür wir teilweise teuer bezahlt haben: Die Frustrationsgrenze war auf der Suche nach diesem kleinen Fleck auf der Landkarte zwischendurch fast erreicht, wir haben Zufall und Glück gebraucht, um letztlich hier im Sand zu stehen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Sonne knallt auf uns herunter, das Meer leuchtet türkisblau, selbst durch die Sonnenbrille. Es dauert nur wenige weitere Sekunden im neuen Paradies und der perfekte Platz für die Hängematte ist gesichtet, aber in der Realität beginnt diese Geschichte nicht mit Faulenzen. Falsche Vorstellung, es wäre zu schön gewesen. 40 Kisten und Kartons stehen noch am Strand, Reis, Mehl, Dosengemüse, Marktgemüse, Milchpulver, Breakfast Cracker, Eier, Früchte, Wasser. Der Vorrat für die nächsten drei Monate, verdächtig nah an den Wellen, die Flut kommt. Ein paar Kartons sind schon nass von der Bootsfahrt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-122" title="dusche" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/dusche.jpg" alt="dusche" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie immer. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Bis wir alles in Sicherheit geschleppt haben, vergeht eine Weile. Überleben gesichert. Das Boot legt ab, ohne uns. Und verschwindet bald hinter dem Riff. Der schönste Moment. Obwohl wir Menschen ja mögen, irgendwie erschreckend. Wir mögen eben auch die Einsamkeit. Von nun an beginnt eine andere Zeitrechnung in einer anderen, sehr unwirklichen Welt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wir machen erstmal einen Abendspaziergang um die komplette Insel. Dauert eine halbe Stunde, der Weg durch den trockenen Sand ist lähmend, weil wir immer ein Stück einsinken. Außerdem kommen wir an manchen Stellen ohne Einsatz von Macheten nicht voran, schweißtreibende Anstrengung. Auffällig ist, dass es auf der Westseite oft windstill ist &#8211; und wenn wir an der Nordspitze um die Ecke biegen, weht ein ordentliches Lüftchen. Die Strömungen des Meeres sind auch deutlich stärker. Gut fürs Fischen, wie ich gleich festgestellt habe. Die Köder gibt es im Busch. Kleine Krebse, das wohl bevölkerungsstärkste hier. Zwei Makrelen gingen mir prompt an den Angelhaken, was fürs offene Feuer. Dazu geröstete Kokosnuss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-120" title="banane1" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/banane1.jpg" alt="banane1" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die ersten Tage verbringen wir damit, uns einen besseren Eindruck von der Inselwelt zu verschaffen und das kleine Holzhaus zu beziehen, das mit dem Einverständnis der Eigentümer unser anfängliches Domizil sein wird. Es ist alles in die Jahre gekommen, die weiße Farbe löst sich vom Holz, die Regenrinnen sind teilweise zerstört, ein wildes Dickicht aus Tropenpflanzen erschwert den Zugang zur Tür. Wir kontrollieren das Wichtigste: Der Regentank ist bis oben hin voll mit Wasser. Das brauchen wir hauptsächlich zum Trinken &#8211; das Wasser kochen wir vorher ab &#8211; und zum Duschen, wofür wir eine Blechschale verwenden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-123" title="holzhaus" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/holzhaus.jpg" alt="holzhaus" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und natürlich ist der Regentank von enormer Bedeutung für unsere Pläne, einen Garten anzulegen. Die ersten Setzlinge wachsen heran, Gurken, Kürbis, Tomaten, Auberginen, Bohnen, Wassermelonen. In einem verwilderten Garten, durch den wir uns erst mit Macheten schlagen müssen, finden wir weitere Dutzende Bananen und Papayas, viele fast reif. Die einen knappen Kilometer lange und 200 Meter breite Insel wurde früher von lokalen Fischern genutzt, die hier ein paar Wochen im Jahr lebten und die vielen umliegenden Riffe befischten. Die Erde ist vulkanisch und „very healthy“, wie mir der Dorfälteste der  nächsten bewohnten Insel voller Begeisterung erzählt hat, als ich mich bei ihm vorgestellt habe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="aligncenter size-full wp-image-121" title="banane2" src="http://www.crazycastaways.com/wp-content/uploads/2011/01/banane2.jpg" alt="banane2" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das ursprüngliche Vorhaben, auf der etwas kleineren Nachbarinsel unserer jetzigen Robinson-Insel &#8211; so viele Inseln, das macht einen ganz durcheinander &#8211; eine kleine Palmenhütte zu bauen, mussten wir leider etwas verschieben. Das Meer ist die letzten Wochen noch zu stürmisch, um mit dem Kayak hinüberzupaddeln. Es war im Nachhinein ganz vernünftig, die sichere Holzhütte zu beziehen, Hurrikan-Saison. Aber auch an der riesigen Sandspitze im Norden unserer jetzigen Insel wollen wir ein kleines Palmendach bauen, sozusagen fürs Wochenende. Obwohl wir nicht mehr wissen, wann genau Wochenende ist.</p>
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